
  Dienstag, 06.07.2010 07:14
Die Externsteine in LippeMehr als ein Ausflugsziel Die Versuche, diese eindrucksvollen steinernen Gebilde als "Zeugen" für eigene Interessen zu missbrauchen sind zahlreich. Zuletzt waren es die Nazis und der esoterisch veranlagte Himmler, die mit Hilfe von Zweckgrabungen nach gewünschten Ergebnissen suchten. Heute sind es die modernen Esoteriker, die das Spiel "Ich sehe was, was Du nicht siehst" auf ihre Weise fortführen. Im Laufe ihrer Zeit wurden die Felsen derart beschädigt, dass sie teilweise wie Ruinen aussehen.
Und doch, sie sind immer noch schön und eindrucksvoll. Mehr aber nicht...oder doch?

Während die der Förderung des Tourismus verpflichteten Institutionen seit Jahren darüber nachdenken, wie man die Externsteine für potentielle Besucher bekannter machen kann, haben die Esoteriker ihre Kultstätte in Sommern in Scharen besucht und mit hunderten Zelten alles Grün bepflastert: "Die Externsteine gelten als DER Kraftort von Deutschland. Ein Ort also, wo man mit der Anderswelt schnelleren Kontakt bekommt, als anderswo. Beltane ist neben Samhain das größte und bekannteste Hexenfest. An beiden Tagen sind die Schleier zwischen den Welten besonders dünn. Die Anderswelt ist auch unter dem Namen Feenland bekannt. An Beltane wird der Beginn der Vegetationsperiode gefeiert mit Musik und Wein, was die Gerüchte über Orgien begünstigt hat. Reste davon sind im Maitanz erhalten geblieben. Zu einer solchen Gelegenheit hat sich das eine oder andere Paar in die Büsche geschlagen, um das zu tun, was Liebende eben tun. Wenn ihr den Maitanz jetzt als Orgie bezeichnet, naja...dann ist Beltane eine Orgie. Wir - die Hexen - bitten mit dem Fest um eine gute Ernte, damit niemand hungern muss." (Fogwich) So schrieb es die Hexe Fogwich am 16. April 2009 in einem Webforum und brachte die esoterische Betrachtungsweise auf den Punkt.

Geologisch betrachtet sind die Externsteine Bestandteil der mittleren Gebirgskette des Teutoburger Waldes. Sie bestehen aus Sandstein (Osningsandstein, den es hier in den Farben gelb, grün und rot gibt) und waren ursprünglich flach liegende Gesteinsschichten, die in der unteren Kreidezeit vor etwa 120 Millionen Jahren im Zuge der Gebirgsbildung senkrecht gestellt wurden. Ihr heute faltiges Äußeres ist auf Verwitterung zurückzuführen. Geografisch liegen sie am südöstlichen Rand des Mittelgebirges, wo der Teutoburger Wald an das Eggegebirge grenzt. Das Eggegebirge ist wahrscheinlich Namensgeber der Externsteine. Die 13 überwiegend freistehenden Felsen ragen bis zu 48 Meter in die Höhe und bilden eine mehrere Hundert Meter lange Kette, die östlichen kleineren sind liegen etwas versteckt im Wald.
Zu ihrer Entstehungszeit wurde die Umgebung von einem großen Meer bedeckt.
Zahlreiche archäologische Funde gehen auf die Altsteinzeit, die Jungsteinzeit, die Bronze- und Eisenzeit zurück. Belege, ab wann und in welchem Umfang der Ort religiösen und spirituellen Zwecken diente, gibt es nicht. Dafür werden zahlreich Ansichten und Vermutungen geäußert. Der Mythos wird so mal seriös mal weniger, mal absichtlich mal unabsichtlich am Leben gehalten.
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Das Postkartenmotiv Externsteine bietet eine große Zahl von Blickwinkeln, die die Ästhetik der Felsen wirksam machen.
Diese Wirkung ist es, die verpflichtend für den nachhaltigen Schutz der Externsteine steht. Sie sollen so erhalten bleiben, wie sie sind. Es sollen keine Kapellen und andere Höhlen hineingemeißelt werden, keine überflüssigen Verzierungen angebracht werden. Dies ist in der Vergangenheit immer wieder missbräuchlich geschehen.
Der Landesverband, die Schutzgemeinschaft und die Biologische Station Lippe sind sicher diejenigen, die dafür stehen, dass dieser Platz nicht zu einer Eventstätte verkommt, die immer wieder von Müll gereinigt werden muss und durch Großgelage verunstaltet wird. Das im Bau befindliche Informationszentrum wird sicher nicht als architektonisches Kleinod in die Geschichte eingehen, aber es ist geeignet, "Information statt Spekulation" zu garantieren und die Besucherströme zu lenken. Das lässt hier und da sicherlich Regelungswut befürchten, Regelungsbedarf ist aber vorhanden.
Die Zukunft der Externsteine als einzigartiger europäischer Ausflugspunkt mit besonderer Wirkung wird nur so gesichert.
Die Externsteine sind ein Kulturerbe, in dass niemand etwas hinein fantasieren sollte. Einfach die Schönheit und das Empfinden für ihr Zustandekommen reichen aus, um sie wertvoll sein zu lassen. Es gibt nicht viele Plätze in Deutschland, die das für sich in Anspruch nehmen können. Andere sind dafür zum Unesco Welterbe geworden.
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