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  Donnerstag, 03.06.2010 13:46

Wremen, kleine Perle am Wattenmeer
4. Teil einer Reportage - Ebbe und Flut

Das es das Watt gibt, also den begehbaren Meeresgrund ohne Wasser, liegt an Ebbe und Flut.
Bei Ebbe ist das Wasser weg und bei Flut ist es da. Das soll der Mond mit seiner Anziehungskraft machen oder so,
glauben viele. Stimmt ungefähr, aber so einfach ist das nicht.
Wir gehen der Sache auf den Grund...



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Merkwürdig ist es schon. Mal beginnt  das Meer am Strand  und dann wieder ist es verschwunden und man kann auf dem Meeresgrund herum laufen. Beide Bilder entstanden an der gleichen Stelle, das eine am Vormittag und das andere am Nachmittag. Wo ist das Wasser bei Ebbe und wer hat es weggebracht?

Wenn Ebbe und Flut gemeint sind, reden wir von den "Gezeiten". Die Menschen an der Küste sprechen von den "Tiden" und meinen damit das gleiche. Die Gezeitenphasen dauern etwa 6 Stunden  -  ganz genau 6 Stunden und 12 Minuten:

Angenommen das Hochwasser erreicht um Mitternacht, also 0 Uhr seinen Höchststand, dann ist morgens genau um 12 Minuten nach 6 Uhr Niedrigwasser. Dann spricht man von Ebbe. Die nächste Flut kommt dann wieder und erreicht ihren Höchststand um 12.25 am Mittag ... und so weiter. Alle 6.12 Stunden wechselt das Spiel.
Eine "Tide", also die Zeit von der einen Flut bis zur nächsten dauert also 12 Stunden und 25 Minuten. Dazwischen gibt es die eben beschriebene Ebbe.

Ausgelöst wird dieser Vorgang durch das Zusammenspiel zweier Kräfte, die sich auf den Wassermantel der Erde auswirken, nämlich Fliehkraft und Gravitationskraft. Der Mond ist also nicht allein verantwortlich.
Da die Anziehungskraft des Mondes die stärkere der beiden Kräfte ist, entsteht auf der dem Mond zugewandten Erdseite eine Art Wasserberg, auf der anderen Seite ist die Fliehkraft der Erde die stärkere Kraft und bewirkt ihrerseits einen zweiten Wasserberg. Dazwischen entsteht gewissermaßen ein Wassertal, die Ebbe. So erklärt sich auch die zeitliche Abfolge, denn wir wissen: ein Tag dauert 24 Stunden und in dieser Zeit gibt es zweimal Ebbe und zweimal Flut.

Die Schwerkraft der Sonne trägt ebenfalls zu dem Kräftespiel bei. Bei Neumond und bei Vollmond stehen Erde, Mond und Sonne in einer Reihe. Jetzt sind die wirksamen Kräfte und damit der Tidenhub, der Unterschied zwischen den Wasserständen bei Ebbe und Flut am größten. Dann werden bei Flut auch Bereiche unter Wasser gesetzt, die sonst trocken bleiben. Dieses Phänomen nennt man Springflut.  Kommt jetzt noch ein Sturm hinzu, spricht man von einer
Sturmflut! Gefährlich wird eine Sturmflut dann, wenn der Sturm lang anhält und viel Wasser in Richtung Küste drückt. Er verhindert dann auch, dass bei Ebbe das ganze Wasser wieder abfließt.
Dieser Umstand kann bei mehreren Fluten hinter einander zu immer höheren Wasserständen führen und das löst dann Überschwemmungen mit all ihren Folgen aus.
Um sich zu schützen, haben die Menschen an der Küste Deiche und andere Schutzanlagen gebaut.
In den Jahren 1953,  1962 und 1976 kam es an der Nordseeküste zu teils verheerenden Sturmfluten mit weitreichenden
Überschwemmungen ganzer Landstriche. Deiche brachen und es gab viele Todesopfer zu beklagen.


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Ziemlich geheimnisvoll sieht das Watt aus, wenn das Wasser abflließt und schließlich nur noch in den Prielen Wasser vorhanden ist. Im Bild rechts ist die Fahrtrinne zum Hafen zu erkennen. Die ist extra gegraben worden, um den Kuttern genug Fahrtiefe zu gewähren.

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Eine unendlich große Zahl von Lebenwesen gibt es im Watt. Die meisten von ihnen können wir nicht sehen. Zu den vielen Vogelarten zahlen die Austernfischer, die etwa so groß sind, wie eine Stockente. Sie tragen ein schwarz - weißes Gefieder und haben orangefarbene Schnäbel und Beine. Im Watt suchen sie nach Muscheln und Wattwürmern, wobei sie nicht immer eine elegante Figur machen. Da sie sehr scheu sind, lassen sie sich nicht gern aus der Nähe beobachten.

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Wenn man die Vögel nicht sieht, hört man doch immer wieder ihr lautes Pfeifen. Ihre Nahrung suchen sie nicht nur im Watt sondern auch auf dem Land, wo sie nach Bodengetier suchen. Sie leben in jahrzehnte dauernder Einehe und nisten immer am gleichen Platz. Das Weibchen legt drei oder vier Eier, die etwa so groß wie Hühnereier sind.

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Natürlich gibt es für große und kleine Wattbesucher auch viele Muscheln zu finden. Für Wremenurlauber empfiehlt es sich, ein Stück nach Norden zu wandern. An den Befestigungsanlagen und den Buhnen findet man viele Plattmuscheln, Herzmuscheln und auch Austern - sogar geschlossene, die man mit nach Haus nehmen kann: für die Küche!

Besonders spannend ist es, die auflaufende Flut zu beobachten. Wenn sich der Wattboden erst ganz langsam und dann scheinbar immer schneller mit Wasser füllt, bekommen auch ungeduldige Kinder große Augen.

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Am geeigneten Beobachtungsstandort kann man sehen, wie schnell das Wasser ein paar Meter überwindet und schon ist es wieder da und steigt. Schließlich hat es die Hochwassermarke erreicht und das Watt ist nicht mehr zu sehen.

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Da schauen die Kinder fasziniert zu, wie das Wasser langsam näher kommt und schließlich alles wieder bedeckt.
Und wenn es dann Abend wird und die Sonne untergeht, sind sie immer noch da und warten schon wieder. Dieses Mal, bis die Sonne verschwunden ist. Die kommt morgen auch wieder, wie Ebbe und Flut. Jeden Tag...

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