Impressum | Kontakt | Über uns  
  Mittwoch, 05.05.2010 21:45

Warum ist es am Rhein so schön?
Eine Bildreportage - Teil 2 -

Die Frage, warum es am Rhein so schön ist, ist eigentlich müßig. Jeder weiß es: Da gibt es erstmal den Fluss, der sich durch die engen Täler windet, rechts und links daneben die steilen Berge, die schönen Städte, die Weinhänge und natürlich die Burgen, die zusammen mit den Befestigungs- und Wehranlagen der Städte das Mittelalter in den Fokus rücken.
Nachdem wir im ersten Teil die Binnenschiffer beobachtet haben und uns mit ihrem nicht ganz leichten Geschäft befassten, könnten wir nun einen Blick auf einige der vierzig Burgen im oberen Mittelrheintal werfen. Kommen Sie mit...


.     .

Man muss nicht überall hinfahren, man kann auch wandern. Wenn Sie sich entschließen, dass Mittelrheintal zu besuchen, sollten Sie wenigstens einen Berg zu Fuß erklimmen. Oben wird sie wahrscheinlich eine Burg erwarten, eine von vierzig Burgen oder Wehranlagen, die einmal dazu dienten, Besitzansprüche sichern und verteidigen zu können.
Oben saß der Burgherr und verlangte Zoll von den vorbeifahrenden Schiffern und Reisenden, unten die Bauern und Stadtbewohner, um ihm Abgaben zu leisten. Die  übelsten Gesellen unter den Burgherren waren tatsächlich echte Raubritter und das, was sie so trieben war aus unserer Sicht kriminell. Aber wo Macht ist, wird sie auch missbraucht und wenn Geld im Spiel ist und Macht erhalten werden soll, erst recht. Das hat sich bis heute nicht geändert. Vor tausend Jahren, als die Rheinburgen errichtet wurden, war rechtsstaatliches Denken allerdings garnicht vorhanden und so war der Machtmissbrauch damals noch von ganz anderer Qualität als heute.

Die in die wunderbare Umgebung eingebetteten Burgen verklären ein wenig die Zeit des Mittelalters und lassen nur bei genauerem Hinsehen erahnen, wie beschwerlich und gefährlich das Leben auf einer solchen Burg damals war. Bar jeden Komforts lebte man mehr oder weniger gut, hungerte und frohr bisweilen auch und musste in ständiger Auseinandersetzung mit Feinen leben. Nur eine der mittelrheinischen Burgen zwischen Koblenz und Bingen wurde nicht mindestens einmal zerstört. Alle anderen aber traf dieses Schicksal. Tatsächlich wurden die meisten Burgen irgendwann einmal gesprengt und wieder aufgebaut und wieder eingenommen und zerstört, vielen in fremde Hände und haben doch überlebt  -  wenn auch als Ruine.
Die Burg Gutenfels bei Kaub (siehe Fotos oben) erhielt ihren Namen, nachdem der Landgraf Wilhelm von Hessen sie im Jahre 1504 vergeblich belagert hatte. Heute ist sie ein echtes Postkartenidyll, die das Panorama oberhalb der Stadt Kaub krönt. Unter ihr liegen die Weinberge und darunter der Fluss mit der Zollinsel Pfalzgrafenstein.

.     .

Pfalzgrafenstein ist eine richtige Burg - auf einer Insel im Rhein. Eine Zollburg! Was das heißt, verrät der Name. Im 14. Jahrhundert erbaut ließ sie niemanden vorbei, ohne gezahlt zu haben. Da ist sie wieder, die Machtfrage. Heute ist das gut erhaltene Relikt eines der beliebtesten Fotomotive und lohnt die Besichtigung.

.     .

Oberhalb des linksrheinischen Städtchens Bacharach liegt die wunderschöne Burg Stahleck. Anfang des 19. Jahrhunderts kam sie in den Besitz der Gräfin Elisabeth von Bayern - ein Geschenk ihres Gemahls, des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen. Zu diesem Zeitpunkt war Stahleck allerdings nicht so schön wie heute, es war eine Ruine. Bekannt ist die Burg durch die heimliche Hochzeit zwischen dem Sohn Heinrichs des Löwen und der Tochter des PfalzgrafenKonrad geworden; das war 1194.  Heute ist die Burg eine der interessantesten Jugendherbergen!
Da übrigens machen nicht nur Schulklassen und Jugendgruppen Urlaub.



Im elften Jahrhundert erbaut und im 14. und 19. Jahrhundert renoviert ist diese große Anlage bei Trechtingshausen wegen ihrer ursprünglichen Schildmauer interessant. Wieder aufgebaut wurde sie im neugotischen Stil.

.      .

Am Eingang zur Engstelle des Rheins - dem berühmten Binger Loch - liegt die Burgruine Ehrenfels. Der Erzbischof von Mainz baute sie auch aufgrund ihrer strategischen Wichtigkeit zu einer der prächtigsten Burgen am Rhein aus. In Kriegszeiten wurde hier der Domschatz versteckt. 1689 wurde sie zerstört und ist seither Ruine. Der auf dem rechten Foto zu sehende Mäuseturm im Rhein war Signal- und Wachturm der Zollstelle Ehrenfels. Auch er hat Karriere als Postkartenmotiv gemacht - leider kann man ihn nicht besichtigen. Machen Sie es wie ich - machen Sie ein Foto.

.   ..   .

Bewegt ist die Geschichte der Burg Rheinfels oberhalb von Sankt Goar. Sie ist eine der größten am Rhein und sieht im Morgenlicht (links) nur fast so schön aus, wie am Abend vor der untergehenden Sonne (rechts).  1692 trotzte die Festung der Belagerung Ludwigs XIV., wurde jedoch nach 1794 durch den Sieg der französischen Truppen von diesen teilweise gesprengt. Die Ruine mit ihren unterirdischen Gängen kann besichtigt werden (Taschenlampe nicht vergessen!), im Nobelhotel des renovierten Flügels kann man teuer übernachten und gut essen. Die Burgschänke und Aussichtsterrasse allein schon lohnen einen Besuch. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf die Burgen "Katz" und "Maus".

.     .

Die oberhalb von St. Goarshausen gelegene Burg Katz ist in japanischem Privatbesitz und wird heute als Wohnburg genutzt. Ihren Namen verdankt sie dem Grafen von Katzenelnbogen. Er erbaute die Burg 1371, Napoleon ließ sie Anfang des 19. Jahrhunderts sprengen. Die nördlich im Stadtteil Wellmich gelegene Burg Maus wurde 1355 erbaut und war damals eine der fortschrittlichsten Burganlagen. Auch sie erlitt das gleiche Schicksal - um 1900 wurde sie wieder aufgebaut. Im Gegensatz zur Burg Katz ist sie heute zu besichtigen.

.     .

Auch wenn sie Schönburg heißt, sie ist nicht die allerschönste Burg im Rheintal. Vor allem ist sie eine trutzige Festung. Und sie bietet, hoch oben auf dem Berg gelegen eine tolle Aussicht auf das Flusstal. Die Anfahrt erfordert es, sich mit einem Steigungsgrad von 16 % auseinander zu setzen. Der betagte Redaktions - R4 hat es auch geschafft und oben angekommen, wird man von dem fantastischen Weitblick über das Tal belohnt.

.     .

Der meterdicke Aussenmantel der bei Oberwesel gelegenen Burg ist stärker als bei jeder anderen deutschen Festung. Auf den beiden linken Fotos kann man es sehen. Andere Burgen schützen sich mit ihren eigenen Mauern, hier kommt die weitere Außenbefestigung noch hinzu. Das aber konnte nicht verhindern, dass die Schönburg 1689 ausgeplündert und zerstört wurde. 1950 konnte die Stadt Oberwesel sie von dem amerikanischen Banker T.J.O. Rhinelander zurückkaufen - der New Yorker hatte sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts gekauft und renoviert.

.     .

Das Erklimmen des Berges hat sich gelohnt. Auch wenn die Besichtigung der  Burg, die heute ein exklusives Hotel ist, nur von außen möglich ist, wird man durch eine grandiose Aussicht auf den Rhein belohnt. Das übrigens haben alle Burgen gemeinsam: sie liegen hoch oben am oder auf dem Berg und man kann herunter auf  oder über das Land schauen. Ganz lange  und da kommen dann richtige Glücksgefühle auf. Deutschland ist schon wirklich schön.



.

Weitere Informationen finden Sie natürlich im Internet. Siehe Folge 1.
Außerdem interessant ist das Portal www.BurgDirekt.de.




.