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  Mittwoch, 21.04.2010 21:35

Eine Kindheit in Lippe
Es gibt lippischen Pickert

Viele Lipper neigen zu dem Glauben, dass es Pickert nur in Lippe gäbe. Das stimmt nicht!  Im Bergischen Land gibt es ihn auch. Dort wird er fast genau so zubereitet und nennt sich "Pilleken".  Viele Lipper glauben, dass Pickert nur früher, wenn er von der Oma zubereitet wurde, so richtig gut geschmeckt hat. Das stimmt auch nicht!
Allerdings wissen viele nicht mehr, wie man den lippischen Pickert zubereitet.

Wenn meine Oma Pickert "machte", artete das ganze immer zu einer größeren Sache aus. . .

Sicherheitshalber zog meine Oma mit ihrem ganzen Werkzeug und den Zutaten in den Keller um. Dort stand ein Herd mit Reling, dessen Platte Oma zunächst einmal mit Asche bestreute. Dann gab es von den Fettspritzern keine Flecken.
Jetzt schälte sie ziemlich viele Kartoffeln ("Für jeden vier!") und gab diese über die feine Reibe. Dann fügte sie Mehl, Hefe, Eier ("Zuviel Eier kann man garnicht nehmen!", sagt sie - dabei war sie sonst immer so geizig...) Salz und etwas Milch hinzu und nun wurde der Teig kräftig bearbeitet. Meine Oma schwang dazu einen riesigen Holzlöffel.
Irgendwann wusste sie: Jetzt ist der Teig gut. Sie kostete ihn noch ganz kurz mit einem bestätigenden Nicken und ließ alles stehen und liegen.
Erst Stunden später setzte sie ihre Arbeit fort. Inzwischen haben die Hefebakterien Heinzelmännchen gespielt und das Volumen des Teiges verdoppelt.
Diesen Teig gab meine Oma nun mit einem großen Löffel in die Pfanne und backte sie von beiden Seiten.  Zu einigen gab sie Rosinen, zu den anderen nicht. Das wiederholte so lange, bis der Teig aufgebraucht war und sich ganze Stapel von lipischem Pickert auf mehreren Tellern befanden.
Die aßen wir dann mit Marmelade, Butter, Rübensaft oder lippischer Leberwurst. Traditionell gab es dazu Kaffee.

So ging das mit dem Pickert zubereiten und Pickert essen früher.  Und wie ist das heute?

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Ich besuche Annette Reinking in ihrer Küche. Annette Reinking ist Küchenchefin in der Ortmühle, die sie zusammen mit ihrem Mann "Hosse" betreibt. Hier gibt es noch ganz viele traditionelle Gerichte zu essen und regelmäßig Mittwochs ist in der Ortmühle Pickerttag. 

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Mit einer Küchenmaschine werden die Kartoffeln gerieben und in eine große Schüssel gegeben. Die anderen Zutaten stehen schon bereit: Mehl, Eier, Hefe, Milch, Salz, Zucker und Rosinen. Annette Reinking streift sich einen sterilen Latexhandschuh über und vermengt den Teig. Die Hefe wird in warmer Milch zerbröselt und kommt dazu.

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"Damit der Teig besonders locker wird, nehme ich immer..." Jetzt verrät mir Annette Reinking ihr Geheimnis, dass ich hier natürlich nicht weitergeben kann. Tatsächlich, so locker ist mein Teig jedenfalls nicht. Da habe ich wieder etwas gelernt.  Um eine besondere Zutat handelt es sich übrigens nicht. Die Kunst liegt vielmehr im handwerklichen.
So war dass schon immer: Die besten Köche kochen eben deswegen so gut, weil sie ihr Handwerk verstehen.

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Während die Hefebakterien sich fleißig vermehrt haben und dabei den Teig aufgehen ließen müssen die Kinder noch Geduld haben und die Zeit bis zum Essen irgendwie überbrücken. Annette Reinking beginnt mit dem Backen. Endlich ist es soweit und wir können essen.                                                                  .                                                                                                ..     .

So muß ein guter lippischer Pickert aussehen: Außen leicht knuspig und innen locker und weich. Der Geschmack ist herzhaft und verträgt sich mit allen möglichen Zutaten, egal ob süß oder herzhaft. Neben Marmelade, Apfelmuss oder Butter kann das auch Rübenkraut oder Leberwurst sein. Den Kaffee kann man auch bedenkenlos durch ein Bier ersetzen.



Wenn Ihnen jetzt auch nach Pickert ist: der nächste Mittwoch kommt bestimmt!
Die Ortmühle finden Sie zwischen Wiembeck und Mosebeck:  www.ortmuehle.de   05231 - 24539
Annette und Hosse Reinking freuen sich über Ihren Besuch.




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