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  Freitag, 16.04.2010 06:52

Wremen - kleine Perle am Wattenmeer
Teil 1 einer Reportage

Wremen muss auf ganz besondere Weise entdeckt werden, denn Wremen ist irgendwie anders. Es passt nicht in die üblichen Schemen, die man sich von Urlaubsorten an der Nordsee macht. Wer Wremen einmal entdeckt hat und genauer hingeschaut hat, wird diesen Ort mögen und ganz sicher wieder kommen. Wremen hat viel zu erzählen...

Wenn man auf dem Weg von Bremerhaven nach Cuxhaven nicht die Autobahn, sondern die Landstrasse in Küstennähe nutzt , kommt ganz von selbst nach Wremen. Hier kann es dann leicht passieren, dass Hinweisschilder an der Strasse anhalten lassen. Sie weisen auf die beiden Museen hin und zeigen den Weg zum Leuchtturm und zum Kutterhafen.

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Der kleine Ort liegt im flachen grünen Land, nicht weit vom Deich entfernt. Die zahlreichen "Wehle", Wasserstellen im Land die wie Teiche aussehen, erinnern an frühere Deichbrüche, wo das verwirbelnde Wasser tiefe Löcher gegraben hat.

Das Ortsbild wird stark von der jahrhunderte alten Kirche geprägt, deren Turm im ersten Weltkrieg abgetragen werden musste, um den englischen Fliegern keine Orientierung bieten zu können. Die Kirche mit ihrer bemerkenswerten Geschichte ist überwiegend aus rheinischem Tuffstein gebaut, der auf langem Wege aus der Eifel kommend nach Wremen geschafft wurde.

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Das Meer hinter dem hohen Deich liegt nicht immer still und idyllisch da. Es hat in Wremen und seiner Umgebung bei verheerenden Sturmfluten zahlreiche Häuser und Höfe zerstört. Aber es gab den Bauern schon in der Frühzeit auch den fruchtbaren Marschboden und ist heute noch immer für den Fisch- und Krabbenfang vor der Küste geeignet.

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Vier bis fünf Kutter liegen manchmal im Hafen, wenn sie nicht unterwegs sind und vor der Küste den "Granat" fangen, den man dann überall im Land frisch wie nirgends kaufen kann. Wenn die Schiffe mit der hereinkommenden Flut wieder den Heimathafen erreichen, werden sie schon erwartet. Der Einzelhandel und die örtlichen Restaurants nehmen die wertvolle Fracht ab. Auch Touristen kaufen sich eine Tüte voll, um sie dann zu "puhlen" und ganz frisch zu verzehren.

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Die Küstenfischer sind vor allem in den Monaten von März bis November auf Krabbenfang, sie sind dann manchmal bis zu drei oder gar vier Tagen auf See. Der Fang wird noch an Bord erstmals gesiebt und gekocht. Für die Touristen ist das Anlegen der Krabbenkutter ein interessantes Schauspiel. Die trocknenden Netze verbreiten dazu den typischen Geruch von Meer und Salz. Die frischen Krabben machen Appetit und mancher weiß nicht, wie das "Puhlen" geht. Da muss man sich dann helfen lassen, um es selbst zu lernen oder zu den schon gepuhlten beim Händler greifen...

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Das eigentliche Wahrzeichen Wremens ist der Leuchtturm "Kleiner Preusse". Seinen Namen verdankt er der Farbgebung.
1906 wurde er erbaut und mit dem Aufkommen der modernen Leuchtfeuer an der Küste wurde er 1930 abgebaut.
Nach 75 Jahren aber besannen sich die Wremer auf ihr altes Wahrzeichen und errichteten ihn erneut an der Einfahrt zum Kutterhafen, wo er heute Anziehungspunkt vieler Touristen ist und auch besichtigt werden kann. Brautpaare nutzen ihn gern, um sich dort das Ja-Wort zu geben. Dicht am Kutterhafen verbreitet er maritimes Flair.

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Wenn es Nacht geworden ist im Hafen, erinnert der Leuchtturm an seine eigentliche historische Aufgabe...

Von je her bestimmte das Meer das Leben der Menschen in dieser Region. Augenfälligste Eigenart ist der Wechsel der Gezeiten, die wir Ebbe und Flut nennen. Alle sechs Stunden ist Hochwasser oder Niedrigwasser. Bestimmt durch die Anziehungskraft des Mondes wird das Meer Richtung Küste oder Richtung Atlantik gedrängt.

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Still und geheimnisvoll liegt das Watt vor uns. Jetzt ist das Meeresgrund begehbar, nur die Fahrrinne bleibt voll Wasser.

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Das Watt ist Meeresraum, Landschaft, Lebensraum und Schlick- für Kinder ein ganz neues Erlebnis. Stundenlang gehen sie auf Entdeckungsjagd und finden Wattwürmer, Muscheln und schöne Steine.  Die Meeresvögel suchen hier nach Nahrung und erst nach Stunden kündigt sich die neue Flut an. Dann heißt es Vorsicht, damit das Wasser nicht den Rückweg abschneidet.

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Vor der Flut schützt der Deich. An ihm endet das Land. Vor dem Deich säumt ein Streifen von Salzwiesen das Ufer, hinter dem Deich liegt das Marschland mit seiner herben flachen Weite und dem Himmel, der hier so hoch scheint.
Die Deiche mussten in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder erhöht werden. Immer wieder wurden sie von Sturmfluten zerstört und mussten ganz neu aufgebaut werden. Mal rang der Mensch dem Meer Land ab, mal nahm sich das Meer das Land wieder. Und immer waren diese Vorgänge dramatisch. Sie schufen Wohlstand oder nahmen alles.

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Bevor die Landbewohner Deiche errichteten, bauten sie ihre Höfe und Häuser auf  Wurten. Diese künstlichen Hügel sind die einzigen Erhebungen im Land und geben ihm seinen Namen: Wurster Land. Eigentlich müsste das Land der Wurtfriesen Wurter Land heißen, aber irgendwann kam das "S" hinzu und nun ist es das Wurster Land. Die Wurten, auch Warften genannt, haben stets einen wirksamen Schutz vor Hochwasser geboten. Auf allen Halligen an der Küste sind sie noch heute vorhanden. Im Wurster Land um Wremen herum stehen die alten Bauernhöfe auf diesen Erdhügeln. Oft sieht man die Wurten aber auch frei im Land stehen  -  unbebaut. 

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Geheimnisvoll liegen die verlassenen Wurten im Land und lassen ahnen,  was hier einmal geschehen sein mag. 
Die alten Höfe sind alle auf Wurten gebaut, die zum Teil über vier Meter hoch sind.

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Die Wurster und damit auch die Wremer Chronik ist eine unendliche Geschichte des Kampfes der Menschen mit den Naturgewalten. Immer wieder haben Sturmfluten weite Teile des Landes und der menschlichen Existenzen zerstört. Immer wieder haben die Vorfahren es neu aufgebaut, neue und höhere Deiche errichtet und sich arrangiert. Das hat ihren Charakter ebenso geprägt wie die Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit. Als freie Bauern haben Sie lange Zeit dem Druck und den Machtgelüsten der Kirche widerstanden, die sie der Freiheit berauben und Steuern eintreiben wollte.
Dies hat ihren Charakter geprägt. Dies hat das Land so werden lassen, wie es heute ist. Ein herbes, schönes, ein weites Land.
Touristen, die hier nur nach Strandkörben im weissen Sand suchen, werden nicht sehen, was es hier zu sehen gibt.


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Wenn Sie jetzt auch neugierig geworden sind, lesen Sie die weiteren Folgen dieser Reportage.

Informationen im Internet finden Sie unter:  nordseebad-wremen.de   und   museum-wremen.de
Siehe auch:  wursternordseekueste.de    und   wremen.de


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