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  Dienstag, 30.03.2010 21:27

Eine Kindheit in Lippe
Montag ist Waschtag

Für mich als Kind war irgendwie immer Waschtag: "Mach dich nicht so schmutzig; die Hose musst du morgen noch einmal anziehen; ich wasche erst Montag..." Das waren die Sätze, die ich oft hörte.
Für meine Mutter fing der Waschtag nicht am Montag, sondern am Sonntag abend an. Dann wurde in der großen Wanne in der Waschküche im Keller die Wäsche eingeweicht. Dazu wurde immer das Spülwasser der letzten Wäsche genutzt. Darin befand sich noch immer ein Rest Waschpulver. Wenn nichts vorher einzuweichen war, kam das Spülwasser in die große Bottichwaschmaschine und wurde als Waschwasser benutzt.

Unsere Waschküche war im Keller. Sie wurde auch als Badezimmer, als Wursteküche für die Hausschlachtung und, weil es dort einen Herd gab auch zum Pickert backen genutzt.
Die für den Waschtag notwendigen Einrichtungen waren ein riesengroßer Waschkessel, eine fast eben so große Bottichwaschmaschine, die große Wanne, ein Tisch und mehrere Wäschekörbe. Den Raum hab ich noch genau vor Augen und das gurgelnde Geräusch des Elektromotors unter der Waschmaschine, der den sich hin- und herbewegenden Arm im Bottich bewegte auch. Technik war damals ein Hilfsmittel, dass der "Hausfrau" die Arbeit nur etwas erleichterte.

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Das Waschbrett im  Bild links wurde zu dieser Zeit nur noch selten benutzt. Über dieses Brett rieb man die Wäsche, wenn sie besonders verschmutzt war.  Im Waschkessel (Bild Mitte) wurde die Wäsche gekocht, was bei weisser Wäsche fast immer der Fall war. Die damals verwendeten Fasern (Leinen, Baumwolle) vertrugen das anders als heute, wo man lieber niedrigere Temperaturen bevorzugt. Es würde auch alles einlaufen...

An unserer Waschmaschine (Bild rechts) befand sich noch ein Wringer. Der bestand aus zwei Gummiwalzen, die mit einer Kurbel gedreht wurden. Durch sie hindurch beförderte man die nasse Wäsche, um sie auszuwringen. Dann kam sie in den Wäschekorb und wurde in den Garten zur Wäscheleine gebracht. Nasse Wäsche ist schwer und musst ständig von irgendwo nach wo anders hin befördert werden: Aus der Einweichwanne in den Waschkessel, aus dem Waschkessel in die Waschmaschine, von der Waschmaschine wieder in die große Wanne zum Ausspülen und dann in den Garten zur Wäscheleine. Viele Wege mit schwerer Last. Meine Mutter brauchte für die Wäsche manchmal den ganzen Tag und war dann am Abend, wie sie immer sagte "Fix und Fertig!"

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So fröhlich, wie die Mädels auf den beiden Bildern hat meine Mutter selten geschaut. Aber irgendwie hat sie immer das Beste daraus gemacht. Weil der Waschtag auf einen Montag viel, gab es Mittags immer Reste vom Vortag zu essen. Da das der Sonntag war, schmeckte es auch immer richtig gut.
Wenn im Sommer die Wäsche im Garten auf der langen Leine getrocknet wurde, war das Ganze noch angenehmer, als im Winter. Dann wurde die Wäsche überall im Haus aufgehängt. Ein Teil blieb auf Leinen im Keller, ein Teil kam auf den Boden unter dem Dach. Dort hing die Wäsche ein oder zwei Tage und dann wurde gebügelt. Meine Mutter hat so ziemlich alles gebügelt, was ihr unter das Eisen kam. Eine ungebügelte Unterhose zog früher kein Mensch an. Als wenn das jemand gesehen hätte, dass die Unterhose Falten hat... Ich bin da heute ganz anders. Ich glaub, meine Mutter hat nur die selbst gestrickten Socken nicht gebügelt. Die Bettwäsche wurde nach dem Trocknen zur Heissmangel gebracht und dort unter Aufbietung von jeder Menge Personal durch riesige heisse Walzen gedreht, um schön glatt zu werden. "Wie sieht das denn aus..."pflegte meine Mutter zu sagen, "wenn die Wäsche nicht schön glatt ist."
Vor dem Bügeln wurden viele Sachen noch mit Kartoffelstärke, die in Wasser gelöst wurde eingesprengt. Dann wurde die Wäsche richtig steif, wenn sie gebügelt war. Dann sah man in einem weißen Hemd aus wie eine Statue. So war das damals und Ordnung war seinerzeit sowieso das halbe Leben. Im Schrank sah es so aus als wollte man mit der pingelig gestapelten Wäsche Preise gewinnen. Wenn meine Mutter in ihren Schrank schaute, sah sie immer glücklich aus. - Komisch. Wie sich die Zeiten ändern. . .


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