
  Freitag, 26.03.2010 14:26
Neues vom TheateropeRETTE SICH WER KANN Am 28. Februar 1924 wurde die Operette "Gräfin Mariza" im Theater an der Wien uraufgeführt. Kommerziell war sie der zweite große Erfolg des Komponisten Emmerich Kalman, der bereits 1915 mit seiner Operette "Die Csardasfürstin" zu Weltruhm gelangt war. Für Inhalt und Text waren Julius Brammer und Alfred Grünwald verantwortlich. Aus ihrer Feder flossen zahlreiche Welterfolge. Brammer über Grünwald:"Ich kenne nur einen, der mehr kann als er, das bin selbstverständlich ich....Grünwald leidet an der fixen Idee, dass es umgekehrt ist." Die Umsetzung des Stoffes ist dem Landestheater in Detmold erwartungsgemäß gut gelungen. Das nahezu ausverkaufte Haus mag als Beleg auch dafür stehen, dass die Operette an sich eine unverändert große Anhängerschar hat - wenn gleich diese auch immer älter wird und man der Operette insoweit eine ungewisse Zukunft prognostizieren muss.
Da sie aber schon wiederholt totgesagt wurde und immer noch lebt, empfiehlt es sich, anderen Fragen mehr Beachtung zu schenken. Aber auch das ist nicht unproblematisch, denn was fängt man an mit einer Handlung, die so trivial ist, dass schon das Zuhören und Folgen eine unangemessene Tätigkeit zu sein scheint. Ihre populärsten Melodien sind auch eben Schlager. Man muss sie einfach mögen, sonst kann man sie nicht genießen. Man würde kopfschüttelnd Grundsatzfragen stellen, immer schon die Antwort parat...
Die Besetzung war erstklassig und das Publikum honorierte die Leistungen der Akteure auf der Bühne mit begeistertem Applaus. für die Inszenierung zeichnet Wolfgang Dosch verantwortlich. Auch er äußert sich eindeutig und beschreibt damit das Dilemma des Theaterbesuchers: "Operette, und die Silberne im Besonderen, dient intellektualistischen Kreisen immer wieder als beliebtes Vehikel, um sich und der Welt durch süffisante Geringschätzung des Genres gehobenen Geschmack und geistige Überlegenheit zu beweisen. Diese physische Reaktion übertüncht jedoch lediglich die Ratlosigkeit vor dem surrealen Kunstobjekt "Operette", das immer wieder provokant die Wirklichkeit verspielt...Die immer gleichen Figuren, Stimmfächer und Geschichten der Silbernen Operette..."
Ja, ja, er hat Recht. Man weiss schon am Anfang, wie es ausgeht...Aber Wolfgang Dosch macht uns auch Mut: "Auf das WIE kommt es an!" Stimmt auch. Schließlich ist auch nur so die Begeisterung des Publikums zu erklären.
Die reiche und schöne Gräfin Mariza ist natürlich auf der Suche nach der wahren großen Liebe. Um unliebsame Verehrer abzuwimmeln, inszeniert sie eine Scheinverlobung mit dem Gutsbesitzer Zsupan. Dieser taucht dann tatsächlich auf und sorgt für jede Menge Verwirrung, schlimmer, zeigt Interesse. Mariza in Not entdeckt nun aber ihre Liebe zu dem Verwalter ihres Gutes Tassilo, hält diesen aber für einen Mitgiftjäger. Keine Angst, das klärt sich alles auf. Wir sind ja "in der Operette..." Das sich ganz nebenbei noch ein paar weitere Paare finden, gehört natürlich auch dazu. Die brauchen aber dafür nicht zweieinhalb Stunden sondern entschließen sich, das weitere Leben zusammen zu verbringen innerhalb weniger Minuten, sozusagen kurz vor Schluss. .
Einige Melodien - oder Schlager - haben es bei Operettenfreunden zu echter Berühmtheit gebracht: Grüß mir die reizenden Frauen im schönen Wien...Sag ja mein Lieb, sag ja...Komm mit nach Varandin...
Zitieren wir zum Schluss noch einmal Wolfgang Dosch: "Sie (die Silberne Operette) zeigt außer in einigen wenigen Fällen nicht vordergründig und schulmeisternd die Probleme einer Gesellschaft auf, wohl aber deren Wünsche, Sehnsüchte und Illousionen. Die Silberne Operette stellt nicht an den Pranger, sondern wirbelt Zeit(en) und Geschichte(n) gänzlich unrealistisch durcheinander. Mit Verstand allein ist da nichts zu machen. Die Läuterung in der Operette bringt erst das Lachen."
Ich werde es bei Gelegenheit noch einmal versuchen.
www.landestheater-detmold.de
05231 - 97460
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