
  Freitag, 05.02.2010 15:15
Neues vom TheaterWerther "Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer..." schrieb Goethe selbst über den Roman, der wie ein Tagebuch
verfasst ist und auch heute seine Wirkung nicht verfehlt. "Eigentlich ward nur der Inhalt, der Stoff beachtet, wie ich schon an meinen Freunden erfahren hatte, und daneben trat das alte Vorurteil wieder ein, entspringend aus der Würde des gedruckten Buches, dass es nämlich einen didaktischen Zweck haben müsse. Die wahre Darstellung aber hat keinen. Sie billigt nicht, sie tadelt nicht, sondern sie entwickelt die Gesinnungen und Handlungen in ihrer Folge und dadurch erleuchtet und belehrt sie..."
.jpg)
Das Büchlein "Werther"...ein Roman in Briefen war der größte, ausgedehnteste, sensationellste Erfolg, den Goethe, der Schriftsteller je erlebt hat. Der Frankfurter Jurist war ganze vierundzwanzig Jahre alt, als er dies äußerlich wenig umfangreiche, auch als Welt- und Lebensbild jugendlich eingeschränkte, aber mit explosivem Gefühl unglaublich geladene Werkchen schrieb...Die entnervende und zerrüttende Empfindsamkeit des kleinen Buches rief die Sittenwächter auf den Plan...die eine Verherrlichung des Selbstmordes und die Verführung dazu in diesen Blättern sahen...der Roman rief einen Rausch, ein Fieber, eine über die bewohnte Erde hinlaufende Ekstase hervor und wirkte wie der Funke, der ins Pulverfass fällt...es war, als ob das Publikum aller Länder, insgeheim und ohne es zu wissen, genau auf das Werk...gewartet hätte.
Eine ganze Generation junger Menschen erkannte ihre Seelenverfassung in der Werthers wieder. Es ist ein Meisterwerk, worin hinreißendes Gefühl und frühreifer Kunstverstand eine fast einmalige Mischung eingehen. Jugend und Genie sind sein Gegenstand, und aus Jugend und Genie ist es selbst geboren.
Thomas Mann
Ganz großes Theater in Detmold. Passend intim.Eng. Im Grabbehaus in der Bruchstrasse, nicht im großen Haus.
Anders als sonst das Publikum. Fast nur junge Frauen...
Kleine Bühne, reduziertes Bild und ein Werther, der mit seinem Alter Ego kommuniziert, das durch einen auf der Bühne stehenden Monitor verkörpert wird. Die Inszenierung dokumentert in jeder Hinsicht die Achtung vor der Grösse dieses Werkes.
Die Wirkung ist auch auf den Kenner des Inhaltes stark. Eine und eine halbe Stunde ohne Pause. Was wird weggelassen? Viel muss weggelassen werden, aber nichts fehlt. Wie, um dies zu unterstreichen, rezensiert Werther, gespielt vom jungen talentierten Alexander Frank Zieglarski ganze Passagen und blättert "Goethe, Goethe, Goethe" sagend die Unberücksichtigten durch.
. . .
. .Die Handlung hier zu beschreiben, erübrigt sich. Jeder kennt den jungen unglücklich verliebten Werther. Den in den Tag hineinlebenden jungen Mann, der es nicht erträgt, dass Lotte sich nicht für ihn, sondern für den soliden Albert entscheidet.
Die Grösse der Leistung von Alexander Frank Zieglarski besteht vor allem darin, dass er die ganze Dramatik so engagiert und eindringlich nahebringt. Er hat jeden erreicht, nicht zuletzt auch durch die wiederholte direkte Publikumsansprache.
So nah ist auch der betroffendste Leser mit all seiner Phantasie dem Werther nicht. Zieglarski kann ihn besser.
Über die übrigen Figuren wird nur berichtet (Lotte, die Geliebte und Albert, ihr Mann und damit der, unter dessen Existenz Werther leidet). So handelt es sich hier eigentlich um ein Einpersonenstück, auf der Bühne sehen wir nur den jungen Werther. Aber da ist der Monitor, der scheinbar ungefragt teilnimmt und schließlich eine junge Zuschauerin, deren Mitwirkung aber erst gegen Ende als wertvoll, als wichtig erscheint. Beide Rollen ergänzen und sind im "Urtext" natürlich nicht vorgesehen.
Die moderne Inszenierung der Detmolder Bühne ist gelungen. Alle Elemente ergeben ein Ganzes, das die Handlung intensiviert und konzentriert. Die Uraufführung stand Pate für diese Transformation. Detmold kann sich mit den Theatern überall im Land messen. Dies ist gerade in der letzten Saison deutlich geworden, der "Werther" war dafür Bestätigung.
. .
Was ich von der Geschichte des armen Werther nur habe auffinden können, habe ich mit Fleiss gesammelt, und lege es hier vor und weiß, dass ihr mir´s danken werdet. Ihr könnt seinem Geist und seinem Charakter eure Bewunderung und Liebe und seinem Schiksale eure Tränen nicht versagen. Und du, gute Seele, die du eben den Drang fühlst wie er, schöpfe Trost aus seinem Leiden, und lass das Büchlein deinen Freund sein, wenn du aus Geschick oder eigner Schuld
keinen nähern finden kannst.
J.W.Goethe
.
. .
.Gehen Sie mal wieder ins Theater; die Detmolder Bühne ist mit ihren Spielstätten eine sehr gute Adresse.
Informationen gibt es hier: www.landestheater-detmold.de - Karten gibt es hier: 05231 - 974 60
.
.