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  Donnerstag, 17.12.2009 08:26

Neues aus dem Theater
Othello

Stratford-upon-Avon, 1603: Der englische Bühnenschriftsteller William Shakespeare schreibt das Drama "OTHELLO".
Shakespeare ist damals vierzig Jahre alt. Das Landestheater führt dieses Stück zur Zeit auf, drei Termine für das  neue
Jahr sind noch geplant.

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Die Handlung: Als Venedig noch eine reiche Republik mit großem Einflussgebiet im Mittelmeerraum war, diente der "Mohr" Othello dem Staat als Militär in herausgehobener Position. Er hat ohne die Zustimmung des Vaters "Brabantio" dessen attraktive Tochter "Desdemona" geheiratet, was zu damaliger Zeit nicht akzeptabel war. Der gehässige "Jago", ebenfalls Soldat, der gehofft hatte  von Othello zum Leutnant befördert zu werden, muss zusehen, wie der aus seiner Sicht ungeeignete "Cassio" diese Position bekommt und sinnt auf Rache.  Der junge "Rodrigo", der unglücklich in Desdemona verliebt ist, hilft Jago bei einer Intrige, wird aber von Jago nur benutzt und schließlich umgebracht.
Als Desdemonas Vater von Jago über die Heirat informiert wird, unternimmt er alles, um die beiden zu trennen.
Der Doge, der Herrscher Venedigs aber läßt sich nicht dazu hinreißen, die Liebenden zu trennen und ihre Ehe zu annulieren. Brabantio stimmt widerwillig zu und gibt Tochter und Schwiegersohn seinen Segen.
Nun könnten beide glücklich werden, aber da ist noch Jago, der auf Rache sinnt.
Als Othello nach Zypern befehligt wird, um einen Angriff der osmanischen Flotte abzuwehren, beginnt Jago sein Werk.
Mit der Hilfe des enttäuschten Liebhabers Rodrigo gelingt es ihm, den ihm vorgezogenen Cassio in einen Streit zu verwickeln, der Othellos Strafe provoziert. Er rät Cassio "freundschaftlich", bei Desdemona um Hilfe nachzusuchen, um Othello zu besänftigen. Als Othello Cassio und seine Frau zusammen sieht, ist es leichtes Spiel für Jago: es gelingt ihm, Ethello mißtrauisch und eifersüchtig zu machen. Er glaubt, dass Desdemona ihn mit Cassio betrügt und steigert sich, angestachelt von Jago immer mehr in diese Haltung hinein.  Als Desdemona ein Taschentuch verliert, dass von Jagos Frau "Emilia" gefunden wird, gelangt dieses durch Jago an Cassio. Wenn Cassio das Taschentuch seiner Frau hat, muss dies ein untrüglicher Beweiß für Untreue sein. Rasend vor Eifersucht erniedrigt Othello seine Frau und bringt sie schließlich um. Die Klärung durch Jagos Frau Emilia kommt zu spät, Othello erkennt seinen Fehler und tötet sich selbst. 

Die Detmolder Inszenierung bleibt inhaltlich nahe an der Handlung. Zu Beginn wird in einer eindrucksvollen Szene zunächst verdeutlicht, dass es Jeden treffen kann - jeder in die Rolle des einen oder anderen Handelnden geraten kann, wie zufällig. Dieser Eindruck führt keineswegs dazu, das Drama zu relativieren, ist aber wichtig.                              ..   ..   .

Dem Zuschauer hat man in Detmold viel Raum für die eigenen Auseinandersetzung gelassen oder "zugemutet".
Das Bühnenbild ist minimalistisch, ja fast abstrakt. Die Kostüme sind es ebenso. Keinerlei historische Anlehnungen, keine Bezüge ersparen einem die eigene Beschäftigung mit dem Stoff, der Szenerie.
Der Umstand, dass Othello ein Farbiger ist, die Tatsache, dass Ehen eigentlich keine Liebesheiraten sind, die Tochter vom Vater verheiratet wird, ein glücklicher Liebender in der Lage ist, auf grund einer Intrige seine Frau zu vergewaltigen und schließlich zu töten, dies alles ist nicht historisch, eher jederzeit möglich. Gewalt ist Alltag in vielen Beziehungen - auf der Bühne wird sie so eindrücklich und drastisch geschildert, dass man sich der Wirkung nicht entziehen kann. Einigen Zuschauern war diese Wirkung zu stark. Sie verließen den Zuschauerraum...

Die Leistung des Ensembles ist großartig. Regie und Dramaturgie verdienen hohe Anerkennung für diese Interpretation.
Shakespeares wohl erfolgreichstes Drama so in die heutige Zeit zu transportieren ist ein möglicher Weg. Er ist gelungen.
Historisches Beiwerk, zeitlicher Bezug ist nicht nötig, um das Eigentliche übrig zu lassen, nur das Eigentliche.

Othello, der Mohr wurde von Philipp Weggler überzeugend verkörpert, seine Frau Desdemona von Katinka Mache´.
Die vom Text her wohl bei Weitem umfangreichste Rolle des Jago wurde von Markus Hottgenroth ganz im Sinne der Inszenierung auf die Bühne gebracht: Er beeindruckte stark. Körpersprache und Mimik waren perfekt.
Überhaupt ist festzustellen, und dies ohne jede Arroganz, dass diese Aufführung ohne jeden Fehler war. Sie zeigte den
besten Weg der Auseinandersetzung heute mit diesem historischen Stoff.              .                            .                          ..     .

Spätestens dann, wenn der Zuschauer die Dramatik dieser Szenen verkraftet hat, kehrt er zur Ausgangsfrage zurück: Hätte Desdemona dieses farbigen Othello heiraten dürfen?  Kann das auch heute jeden treffen? Kann jede Frau eine Desdemona werden, jeder Mann ein Othello, ein Jago?

Lassen Sie sich den Othello nicht entgehen: Am Sa. 17.4. / Mo. 19.4.  und Di. 20.4.2010 ist er noch einmal zu sehen!

Karten können telefonisch bestellt werden: 05231 - 974 803 .     (
Mo.-Sa. 9.00 - 13.00 , Mo.-Fr. 14.00 - 17.00 Uhr.)



Weitere Informationen erhalten Sie hier:  www.landestheater-detmold.de    und    05231 - 974 60.




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