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  Samstag, 28.11.2009 10:01

Früher war alles besser, auch Weihnachten
Ein kleiner humoriger Beitrag zum Wochenende

Stimmts, Sie wussten es schon immer. Weihnachten ist heut auch nicht mehr das, was es einmal war.
Früher war das ganz anders. Da haben wir noch friedlich vereint unterm  Weihnachtsbaum gesessen und Lieder gesungen.
Und die konnten wir auswendig, bis zur 14. Strophe. Wer macht so etwas heute noch. Manche legen eine alte Platte auf (Weihnachten  mit Heino) und wundern sich, wenn ihnen nachher immer so schlecht ist... Meine Oma hatte auch so eine
Platte, die hieß "Glocken der Heimat." Mir wird heute noch ganz flau, wenn ich daran denke.   

Ja und dann haben wir früher immer Gedichte lernen müssen. Das war auch immer  schön. Ich konnte mindestens Dreissig oder Fünf auswendig. Meist handeln diese Gedichte vom Christkind oder vom lieben guten Nikolaus und verbreiten sofort eine ganz feierliche Stimmung. Das schönste und wohl bekannteste deutsche Weihnachtsgedicht ist leider nur aus der Überlieferung bekannt, niemand kennt den begnadeten Dichter, der diese Zeilen schuf:   

Altdeutsches Weihnachtsgedicht

Der Gabentisch ist öd und leer,
die Kinder schauen blöd umher.
Da läßt der Vater einen krachen
und alle müssen herzlich lachen.
So kann man auch mit kleinen Sachen
den Kindern eine Freude machen.

Dieser einfühlsam und äußerst sensibel gestaltete Vers zeigt uns, wie wertvoll die Lyrik der Weihnachtszeit ist.
Wenn auch nicht jedes Epos an die Qualität der hier eben zitierten Verse heranreicht, so sollten wir im Lande der
Dichter und Denker wieder mehr Gedichte lernen, um diese bei passender Gelegenheit vorzutragen.

Besonders Kinder wissen es sehr zu schätzen, wenn sie mal einen netten Reim von uns Erwachsenen vorgetragen
bekommen und sich nicht immer selbst mit dem mühseligen Auswendig-Lernen herumplagen müssen.
Andererseits hat man aber auch schon beobachtet, dass die Merkfähigkeit und der Wille zum Auswendig-Lernen
dann zunimmt, wenn das Werk beim Kinde ankommt. Statt Schillers Glocke könnte man vielleicht folgendes
schöne alte Weihnachtsgedicht des Dichters Theodor Wind nennen:

Knecht Puprecht

Draußen vom Walde komme ich her,
ich muss euch sagen, es stinket dort sehr.
Da hat jemand, es ist nicht zu fassen,
ganz herzhaft einen fahren gelassen.

Und überall, wo Reh und Hase sonst sitzen
sieht man sie nun in Panik fort flitzen.
Halten sich Nasen und Ohren gut zu
denn nun ist´s vorbei mit adventlicher Ruh.

Dumpfes Gegrummel und arger Gestank
zieht durch den Wald und am Wege entlang.
Da merken es auch die Kinder, die Leut
und niemand der zögert, ja jeder der fleut!

Jetzt  gibt es nur Eines: Auf und davon!
Nicht nur Reh und Hase die tuen es schon.
So nun auch die Kinder
so schnell jedes kann.
Doch irgend ein Stoffel, der hat sich vertan.

Die ganz falsche Richtung hat er ihnen gesagt.
Nun stehn sie im Walde, im Mief, sind verzagt.
"Was soll aus uns werden, wer holt uns hier raus?
Wir mögen Gestank nicht, wir wollen nach Haus!"

Doch nirgends naht Hilfe, nur arger Gestank.
Das wurmet die Kinder, macht manche ganz krank.

So wisset auch ihr, liebe Kinder im Land:
den Puprecht den meidet, so ihr bei Verstand.
Denn wer ihm begegnet, der merket es bald:
der duftet nicht nur nach Advent und nach Wald...

Theodor Wind (2008)


Gerade die Dramatik des hier vorgestellten Werkes ist es, die Kinderaugen leuchten und Kinderherzen höher
schlagen lässt. Machen Sie Ihren Lieben eine Freude und lernen Sie wieder Gedichte.
Fangen Sie noch heute damit an, dann können Sie so manchen launigen Adventsabend mit Ihren Lieben
daheim genießen.
Wir, die Redakteure jedenfalls wünschen Ihnen eine beschauliche Adventszeit.
Und behalten Sie stets die Verdauung im Auge...


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