
  Donnerstag, 19.11.2009 12:34
RummsEine Glosse zum Welttoilettentag Wer hat sich nun das wieder einfallen lassen? Der 19. November ist Welttoilettentag. Das macht uns alle nachdenklich. War ich heute schon? Sollte ich mal? Kann ich überhaupt? Gut, dass es das Klo gibt. Es steht für unsere abendländische Kultur - ebenso, wie Essen und Trinken.
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Hier hat ein Pferd unter sich gelassen. Pferde haben ebenso, wie alle anderen Vertreter der Gattung Tier wenig Probleme mit ihren Hinterlassenschaften. Wo sie gehen und stehen lassen sie den Dingen ihren Lauf, kein schlechtes Gewissen stellt sich dem Bedürfnis in den Weg. Kurz die Luft anhalten und schon ist alles vorbei. So einfach geht das - wenn man Pferd ist. . Vor etwa 2000 Jahren haben erste Hochkulturen die Toilette erfunden. Ich ging als kleiner Junge vor 50 Jahren noch ganz einfach an einen Baum. "Pschschschscht!" und dann wurde weiter gespielt. Zu der Zeit blieb meine Oma im Sommer manchmal einen Augenblick stehen, schaute versonnen in den Himmel und wenn sie weiterging, war dort, wo sie eben noch stand, ein kleiner See... Die Toilette bei uns zuhause war damals eine neben dem Hühnerstall auf einen gemauerten Sockel gedübelte Holzplatte mit einem kreisrunden Deckel. In dessen Mitte ein kleiner Holzgriff, um ihn zu öffnen. Dort konnte man gemütlich Platz nehmen und das Klopapier lesen. Das nämlich schnitt mein Opa aus Kostengründen mit seinem immer scharfen Taschenmesser aus Zeitungspapier. Da konnte man dann manchmal interessante Sachen lesen oder Bilder begucken. Zweiseitig bedrucktes informatives oder unterhaltsames Toilettenpapier. Wo gibt es das heute noch? Dafür fehlte aber die Spülung. Unser Klo (Toilette hätten wir dazu nie gesagt, das klang zu fein) befand sich genau über der Jauchegrube. Die durfte mein Vater mehrmals im Jahr mit der Jauchefülle lehren und unsere Verdauung auf dem Gartenland verteilen. Geschmacksgebend war diese natürliche Beigabe nicht. Obst und Gemüse schmeckten immer nach Obst und Gemüse.
Etwas früher gab es noch richtige Klohäuschen. Die standen meist hinter dem Haus, damit man bei Nacht, bei Wind und Wetter mit flatterndem Nachthemd in die Kälte hinaus musste, um mal müssen zu können. Feiglinge griffen zum irdenen Nachttopf, der unter dem Bett stand. Meine schon zitierte Oma ist mit ihrer Nachtvase mal zusammengebrochen. Sie hat tagelang über nicht näher beschriebene Folgen geklagt. Wir Kinder haben dieses Ereignis mit Applaus quittiert, wofür meine Oma wenig Verständnis hatte.
Als es auf dem Land Klohäuschen gab, bauten sich die feinen Herrschaften in der Stadt an ihr Haus oder Schloss ein Aussenklo. Das hatte nach unten eine Öffnung und das Ergebnis erfolgreichen Verdauens kleckerte dann der Schwerkraft folgend nach unten, egal ob dort ein Bach, eine Wiese oder eine Strasse war. Solche Aussentoiletten konnte man im Mittelalter sehr schön als Ersatz für die Pechnasen benutzen, mit denen man den bösen Feind in die Flucht zu schlagen beliebte. In Lemgo sitzt so ein Ding in der "Karstattpassage", kurz vor dem Ausgang zur Mittelstrasse, über der Strasse....
Denken Sie auch, was ich jetzt denke? Damals muß das Haarewaschen beim Friseur erfunden worden sein. .
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In Bayern entdeckte ich vor wenigen Wochen diese beiden Aussentoiletten (Bild links). Dort konnte man gemütlich Platz nehmen, das Fenster öffnen und sich mit einem Gleichgesinnten schräg gegenüber "geschäftlich" unterhalten. Der Blick aus dem Fenster (im Bild rechts) zeigt diese sinnreiche Einrichtung.
Heute sind Toiletten ungemütlicher. Immer sauber, piekfein und steril. Mit viel Chemie rücken wir allem zuleibe, was uns stört. Geräusche, Gerüche, all das ist unerwünscht. Dafür gibt es jetzt den Welttag der Toilette, den Welttoilettentag! Das ist der Fortschritt. Gedenken wir also einen ganzen Tag lang unserer Toilette. Ich glaub, ich muss mal...
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