
  Mittwoch, 04.11.2009 11:41
IN VINO VERITASÜber Wahrheiten und Unwahrheiten zum Wein Wein ist ein Genussmittel - nicht etwa ein Durstlöscher. Um ein Genussmittel sein zu können, müssen gewisse Standards erfüllt sein, die Einfluss auf die Qualität haben. Wir gehen allen wichtigen Fragen dazu auf den Grund. Kennen Sie die Situation? Sie sitzen in Ihrem Lieblingsrestaurant und blättern in der Speisenkarte. Obwohl Sie noch nicht entschieden haben, was Sie gleich essen werden, möchte der Kellner schon einmal wissen, was Sie trinken wollen. Sicher, dass es eine Flasche Wein sein soll, die heute dazu gehören wird, bestellen Sie einen - sagen wir - trockenen Weisswein. Kurze Zeit später kommt der Kellner zurück und das Zeremoniell beginnt. Souverän entkorkt er eine Flasche, gießt einen Zentimeter vom Inhalt in Ihr Glas und läßt Sie über "Will ich!" oder "Lieber nicht!" entscheiden. Was machen Sie? Sie geben den Profi: Sie nehmen das Glas, halten es gegen das Licht, schwenken es ein wenig, führen es zur Nase und atmen hörbar ein. "Schöner Duft - Ähh Blume." sagen Sie und kosten. Dann Ihr obligatorisches "Ja, sehr gut", welches Sie mit einem Nicken unterstreichen. Jetzt gießt der Kellner jedes Glas halb voll und Sie stoßen mit Ihrem Gegenüber an. Beide sind Sie zufrieden: Guter Wein... In Ihrem Kopf schwirren Vokabeln wie "Blume, Abgang, fruchtig, trocken" herum. Sie sind sich sicher oder auch nicht?- Schmeckt er korkig?
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In dem eben beschriebenen Fall müssen Sie Ihrem Wirt und seinem Kellner vertrauen. Müssen hoffen, dass beim Einkauf des Weines nicht nur der Preis entscheidend war. Auch schön aussehende Flaschen enthalten manchmal enttäuschenden Inhalt. Auch ein guter Wein kann durch einen unangenehmen Korkgeschmack verdorben werden und das Bröckchen Kork auf der Zunge ist auch nicht sehr beliebt. Dabei gehören ein guter Wein und ein echter Korkverschluss für viele zusammen.
Der richtige Verschluss: Seit Alters her ist der Korken der Standardverschluss für Weinflaschen. Allmählich aber wird er durch den Schraubverschluss verdrängt. Herbert Müller vom Weingut Kreglinger aus Segnitz in Unterfranken kennt sich aus: "Wir verwenden keine Korken, um unsere Weinflaschen zu verschließen", erklärt er mir. "Der Verschluss der Flasche kann eine sehr große Beeinflussung auf Geschmack und Lagerfähirkeit des Weines ausüben. Er soll geschmacksneutral sein, durch seine Dichtigkeit eine lange Lagerfähigkeit und Frische des Weines sichern. Es ist ein Irrglaube, dass der Wein atmen soll. Das Gegenteil ist der Fall: Nur absolut dichte Verschlüsse sichern das volle Geschmackserlebnis."
So ist es die Aufgabe des Winzers, durch den richtigen Verschluss die Qualität seiner Weine zu sichern. Dazu stehen ihm verschiedene Verschlussarten zur Auswahl:
Der Kork: Er wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen. Obwohl seit über dreihundert Jahren verwendet, ist er nicht der ideale Weinverschluss. Teilweise bildet sich der sogenannte Korkgeschmack und macht den Wein ungenießbar. Selbst die Verwendung von teuersten Korken kann dies nicht verhindern. Auch die Abdichtung der Flaschen bereitet selbst bei liegender Lagerung Probleme, Schimmelbildung ist die Folge. Presskork sollte garnicht verwendet werden, da er durch Zugabe von Kleber und anderen Chemikalien unerwünschte Zusatzstoffe enthält, die in den Wein gelangen. Dort aber gehören sie nicht hin. Muff- und Korkgeschmack treten bei Presskorken besonders häufig auf. Den gefürchteten Korkgeschmack kann die Verwendung von Kunststoffkorken verhindern. Gasdicht sind sie allerdings auch nicht, sie lassen den Wein schnell altern. Kunststoffkorken sind nur geeignet, wenn der Wein innerhalb kurzer Zeit getrunken wird.
Der Kronenkork: Er sichert die Qualität des Weines zwar, verhindert aber das sichere Wiederverschließen.
Der Schraubverschluss: Zugegeben, er sieht nicht am schönsten aus, hat aber unzweifelhaft die besten Eigenschaften.
Er ist absolut geschmacksneutral und schließt dicht. Die Weine bleiben länger frisch. Auch bei stehender Lagerung gibt es keine Qualitätsverluste. Eine angebrochene Flasche läßt sich außerdem wieder verschließen. .
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Der Weg des Weines, bis er endlich getrunken wird ist lang. Bis er in ihrem Keller gelangt, ist viel geschehen, worauf Sie keinen Einfluss nehmen. "Von den Trauben des Dornfelders schneide ich immer die untere Hälfte ab. Dadurch erziele ich eine viel höhere Qualität", sagt mir Herbert Müller, als wir zusammen im Weinberg sind. (Bild rechts.) In den Holzfässern in seinem jahrhunderte alten Gewölbekeller reift der Wein, um dann abgefüllt, also auf Flaschen gezogen zu werden. Die müssen dann zuhause im eigenen Keller richtig gelagert werden. "Da wir Schraubverschlüsse verwenden, können Sie die Flaschen auch stehend lagern. Stellen oder legen Sie die Flaschen, ganz wie es beliebt." Das also ist alles ganz einfach. Aber wie lagert man Wein optimal? Natürlich hat nicht jeder den idealen Weinkeller, aber einige Voraussetzungen
sollten schon erfüllt sein: Der Lagerraum sollte kühl und dunkel sein. Mit Kork verschlossene Flaschen sollen liegend gelagert werden (Bild links), sonst trocknen die Korken aus. Bei Schraubverschlüssen ist die Lage egal, eine geringe Luftfeuchtigkeit schadet den Weinen nicht.
Trinktemperatur: Die ideale Trinktemperatur für Weiß- oder Rose´wein liegt bei 8 - 12 Grad C., während man Rotwein besser bei 16 - 18 Grad C. trinkt. Je kühler der Wein, desto geringer ist sein Geschmack. Aber das ist Geschmacksache.
Weingläser: "Das richtige Weinglas ist Voraussetzung für die Verkostung mit Auge, Nase und Mund. Das dünnwandige Stielglas sollte einen tulpenförmigen Kelch besitzen, es sollte maximal bis zur Hälfte gefüllt werden", weiß Herbert Müller.
So kann man Farbe, Duft und Geschmack am besten prüfen. "Rollen" Sie den Wein auf der Zunge, dann entdecken Sie all seine geschmacklichen Inhalte. Wenn er die Zunge verlassen hat, ist alles vorbei. Meist. War es der falsche, könnte er sich noch einmal mit Sodbrennen in Erinnerung bringen. Dann war es nicht der richtige oder Sie haben zu viel gegessen.
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Das fränkische Weinland liegt irgendwo zwischen Frankfurt und Nürnberg, etwa dort, wo es am schönsten ist. Genau da macht der Main seine Schleifen durch die Berge von Ost nach West, bevor er in den Rhein mündet. Etwa 6.000 ha Weinbergsfläche befinden sich an den klimatisch besonders günstigen Abhängen zu den Flusstälern, wo drei Anbauregionen sich vor allem durch ihre Bodenart unterscheiden. Diese prägen den Charakter der Weine:
Buntsandstein im Mainviereck, Muschelkalk im Maindreieck, Keuper am Rand des Steigerwaldes.
Lesen Sie dazu unsere Reisereportagen über das wirklich liebenswerte Unterfranken in diesem Magazin. Die Artikelserie wird fortgesetzt. Sie werden sehen, in Unterfranken kann man Urlaub machen, Kultur geniessen und vielleicht auch Wein kaufen. Ich jedenfalls danke Herbert Müller für die interessanten Eindrücke, die ich bei meinen Besuchen in seinem Weingut gewinnen durfte. Jedesmal, wenn ich eine Flasche aus Unterfranken öffne, denke ich an diese schöne Zeit.
Das Weingut Kreglinger ist in der Rathausstraße 2 in 97340 Segnitz: 09332 - 1422; weingut.kreglinger@t-online.de
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