
  Mittwoch, 19.08.2009 14:47
Noch einmal NorderneyEine Reisereportage Klassenfahrt nach Norderney, zum ersten Mal auf großer Fahrt. Strand, Wellen, Wattenmeer...was war das doch aufregend.
Ohne die Eltern, mit 20 Mark Taschengeld im Rucksack und viel zu vielen Butterbroten. Mutters Mahnungen im Hinterkopf und riesengroßen Erwartungen. Norderney ist schließlich eine Insel, zu der fährt man mit dem Schiff. Ich erinnere mich...
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Es ist kurz vor zwölf, ich sitze im Zug nach Norddeich Mole. Eben noch durchquerte er die Ebene Ostfrieslands, wird gleich in Norddeich halten und dann bin ich am Meer. Ich höre schon die Möwen schreien, die Brandung. Aber als der Intercity mit quietschenden Bremsen anhält, ist doch alles ganz anders. Menschen drängen auf den Bahnsteig, streben den Hinweisschildern folgend zum Terminal. Ich kann mich an das, was ich hier sehe nicht erinnern. Ein hochmodernes Terminal empfängt mich, hier fährt gleich mein Schiff! Nur wenige Fußminuten trennen mich vom Kai. Die Frisia IV wartet und ich fahre mit. Wie anders war das doch vor vierzig Jahren, als ich, unerfahrener Dorfschüler aus Lippe zum ersten Mal hier war, zum ersten Mal im Leben ein Schiff bestieg und mit ihm das Meer überquerte um zur Insel zu gelangen.
Damals war ich neun oder zehn Jahre alt. Habe das Meer noch nie gesehen und es war Flut. In der Zeit danach war immer Ebbe, wenn ich es zu Gesicht bekam. Aber damals war Flut. Hätte ich gewußt, daß ich bei Ebbe Seehunde gesehen hätte, wäre mir die Flut egal gewesen. So konnte ich bei der Ausfahrt des Schiffes aus dem Hafen keine Seehunde beobachten.
Auf der Insel angekommen empfing mich die typische nüchterne Atmosphäre des Schullandheimes. Seine strenge Architektur, sein nicht vorhandener Komfort, die vielen neuen Eindrücke - das alles habe ich nie vergessen. Die Freude über all dies ließ mich damals schon am ersten Tag übermütig werden. Die Folgen waren unangenehm. Gleich am Morgen des nächsten Tages mußte ich in der Küche Kartoffeln schälen. Der erste Gang zum Strand war nicht meiner... Bestrafungen wie damals sind heute nicht mehr vorstellbar. Dennoch habe ich ein angenehmes Gefühl, wenn ich mich erinnere. Gern erinnere ich mich auch an die engen und unkomfortablen Schlafsääle mit den Doppelstockbetten, die kalten Waschräume mit ihren langen Waschbecken, an denen man beidseitig stand und sich schnell mit kaltem Wasser wusch, zu mindestens zehn Kindern in der Reihe. Heute würde das niemand mehr akzeptieren, aber damals...
Ein Wochende unterbrach meinen damaligen Aufenthalt und ich kann mich noch lebhaft erinnern, daß es am Sonntag mittag Schnitzel gab. Zwar hatte ich noch nie kleinere Schnitzel gesehen, aber nach fünf mal Eintopf war das egal. Trotzdem war ich bereit, mein Schnitzel gegen ein Schälchen Schokoladenpudding einzutauschen. So gab es für mich Kartoffeln, Jägersauce aus der Tüte und Dosengemüse - und kein Schnitzel, dafür aber zweimal Nachtisch! Übrigens, mein Tauschpartner war ein Lehrer aus Jerxen-Orbke, auf dessen Hund ich fortan aufpassen mußte. Der sah meinen
ersten und letzten Pudding, sein Hund machte mit mir was er wollte. Wieso durften Lehrer Hunde mitnehmen?
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Während ich am zweiten Tag Kartoffeln für viele hungrige Kinder schnitzte, durften alle anderen an den Strand, also ans Meer und kamen entsprechend begeistert zurück. Ich durfte erst am Nachmittag zum ersten Mal ans Meer - zur Wattwanderung. Ich wußte damals noch nicht, daß das Meer auch verschwinden kann. Jedenfalls war es verschwunden und ich sah nur Schlick. Ein vorlautes kleinwüchsiges Männchen, das "Hermännchen - Wattführer" hieß zeigte uns Würmer und deren Hinterlassenschaften. Ständig erzählte er etwas vom "großen" Hermann in Detmold und dessen Heldentaten. Die aber kannte ich doch schon und an Detmold dachte ich damals zuletzt. Jetzt stand ich mit nackten Füßen im Watt und lauschte Vorträgen über das Leben in einem Meer, das einfach weg war. Wann kam es zurück? Wo war es?
Erst der dritte Tag war mein Tag. Nach anstrengender Fußwanderung durch endlose Dünen sah ich den ersten richtigen Leuchtturm. Nachdem der bestiegen war und alle ziemlich kaputt von dieser Anstrengung waren, ging es am Strand zurück - jetzt war das Meer plötzlich wieder da. Ich war glücklich. Ich sah also zum ersten Mal das Meer. Und die Möwen.
Der Wind machte aus meinem wirren Haar eine neue Frisur und ich stellte mich fortan immer genau richtig in den Wind.
Meine erste heimliche Liebe sagte mir damals, ich solle mir die Haare doch immer so kämmen. Als wir alle wieder in unserer Dorfschule waren, war es mit ihrer Liebe zu mir vorbei. Da gab es eben nicht diesen Wind von Norderney. Heute liebe ich den immer noch. Kann lange ganz still stehen, in wehen lassen und auf irgendetwas warten, ganz lange...______________________________________
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Noch schöner als der Wind waren die Sonnenuntergänge. Da konnte man auch ganz lange am Strand stehen und nach Westen, woher der Wind kam schauen. Die Sonne ging unendlich langsam unter und tauchte alles in ein warmes Licht.
Der Westen ist die Schwachstelle, die Achillesferse der Insel. Hier nagt die Flut, hier trägt der Wind den Sand ab und läßt ihn auf wundersame Weise im Osten wieder auftauchen. so wandert die Insel langsam aber sicher nach Osten. Gäbe es nicht den Strandhafer mit seinen unendlich langen Wurzeln, dieses Gewächs, daß die Dünen begrünt, dann wäre die Insel schon ganz wo anders. Die Sonne kann, wenn sie untergeht, die Insel und die Menschen verzaubern. _______________________________
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Auch das Landschulheim sah damals ganz anders aus in diesem Licht der untergehenden Sonne. So, wie ich es heute wieder angetroffen habe. Auch wenn es sich sehr verändert hat, garkein Landschulheim mehr ist. Es ist am Abend am schönsten, lädt ein. Alle treffen sich auf Innenhöfen und Wiesen, sitzen auf Bänken und wollen den Tag irgendwie länger machen, als er ist. Inzwischen sind die Gäste sehr normale Urlauber: Familien, Paare, Vereine, Orchester, Sportclubs und auch Einzelreisende. Der Komfort ist den Jugendherbergsschuhen entwachsen und ich mußte mich bemühen, bei den Essensbestellungen ein wenig von damals wieder hervorzuzaubern. Das heißt dann, daß man auf Pfefferminztee besteht, Brote mit Streichwurst schmiert, dieser Wurst, die es damals (glaube ich) auch gab und das Gemeinschaftsgefühl mit vielen anderen am großen Tisch genießt. Wohl jedes Zimmer hat sein Bad, die Betten sind nicht überall mehrstöckig.
Trotzdem ist noch viel von damals vorhanden. Die Häuser sind modernisiert und umgebaut worden, aber von aussen hat sie niemand angerührt. Die Atmosphäre ruft immer wieder Erinnerungen wach. Ansonsten treffen sich hier Erinnerungen und moderner Urlaubskomfort. Der eigene Strand, wenige Minuten entfernt, die große Mehrzweckhalle, der Sportplatz, die Gemeinschaftsräume und freundliches Personal. Die Mitarbeiter scheinen immer auf mich und meine Wünsche gewartet zu haben. Hier fühle ich mich wohl und weiß schon jetzt, dass ich viel zu kurz hier sein werde._____________________________________
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Ich will wieder kommen, nächstes Mal im Herbst, die herbe Luft, den kälteren Wind, die stürmische Brandung erleben.
Das ist das andere mir noch zu fremde Bild von Norderney. Dann werde ich in den Dunen, den Wellenbrechern am Strand wieder nach Seesternen, Krabben, Einsiedlerkrebsen und kleinen Fischen suchen. Danach durchgefroren und klamm ins warme Haus zurückkehren, mir einen heißen Tee bestellen und mit dem Koch über "Hängolin" und andere Märchen von "Anno dazumal" lachen. Er wird mir dann Pfefferminztee machen und beteuern, es sei Hängolin drin...
Zeit werde ich mir nehmen, am Strand den Möwen zuschauen, dem Wind, der Millionen von Sandkörnern vor sich hertreibt, den Strandhafer wiegt und Wellen in den Sand formt. Träumen kann man, wenn man sich etwas Zeit nimmt. Vielleicht eine Woche. Die Übernachtung mit Frühstück kostet dann etwa so viel wie die Bahnfahrt. Unglaublich... _______________
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Wahrscheinlich wollen Sie auch eine Reise nach Norderney unternehmen. Ich empfehle auch Ihnen den Herbst. Ich jedenfalls werde dann da sein und vielleicht treffen wir uns. Die Reise zur Insel ist unkompliziert. Egal, ob Sie Ihr Auto oder lieber die Bahn nehmen, man trifft sich in Norddeich - Mole, um mit einer der Frisia - Fähren zur Insel zu gelangen.
Die Schiffspassage dauert fast eine Stunde. Das liegt daran, dass die Fähre nicht einfach dem kürzesten Weg folgend geradeaus übersetzt, sodern in der geschlängelten Fahrrinne an den Seehundsbänken vorbei die Insel ansteuert. Bei Ebbe können Sie auf dem Weg zur Insel tatsächlich Seehunde sehen, kurz nach der Hafenausfahrt auf der linken Seite. Die Seeleute nennen das Backbord... Ihr Auto müssen Sie nicht mitnehmen, dass kann am Hafen von Norddeich parken. Auf der Insel kann man alles mit dem Bus, dem Leihfahrrad oder zu fuss erledigen. Die Anschlusszeiten vom Zug auf die Fähre und von dort in den Bus sind gut aufeinander abgestimmt. Schnell ist man in der Lippestrasse und wird von Frank Schwäbisch, der das "Inselquartier" auf Norderney leitet empfangen.
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Viel hat sich in der Lippestrasse verändert. Ursprünglich als Kaserne gebaut wurde aus dem Landschulheim eine moderne Urlaubseinrichtung: Gerade steht der Bau eines Kunstrasensportplatzes auf dem weitläufigen Gelände an. Das Energiekonzept der Häuser soll modernisiert werden, die Isolierung optimiert und das Heizsystem erneuert werden. Ständig entwickelt sich der Standard in Richtung Komfort und dabei achtet man auf behindertengerechte Zugänge und Bäder. Frank Schwäbisch kann gerade Gruppenreisenden, wie Sportvereinen beste Bedingungen bieten. Die niedrigen Kosten für die Unterbringung sind für viele Gäste ein starkes Argument.
Der Kreis Lippe bietet einen unkomplizierten Buchungsservice an: 05231 : 624620 - Sie sprechen mit Verena Kreuzer. Die erledigt im Kreishaus in Detmold alles für Sie. Im Internet finden Sie alle Informationen über die Insel Norderney und die Inselquartiere des Kreises Detmold: www.inselquartiere.de und www.norderney.de.
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